„Wir brauchen mehr Coca - Cola und weniger Einstein“

Rainer Küchler ist Geschäftsführer der Heraeus Noblelight GmbH, die weltweit zu den Markt- und Technologieführern bei der Herstellung von Speziallichtquellen zählt. Schon während seines Physik-Studiums begeisterte er sich für den Bereich Lasertechnik. Bis heute hat sich daran nichts geändert.
Frage
Herr Küchler, wie erklären Sie sich, dass optische Technologien in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen werden?
Rainer Küchler
Wir reden von einem äußerst komplexen Feld, das vom DVD-Player bis zur Produktionsanlage in der KFZ-Industrie reicht. Deshalb gibt es nicht das eine Bild, das für optische Technologien steht. Überlegen Sie mal: Wenn Sie sich irgendwo hinsetzen, haben Sie ziemlich sicher im Umkreis von 50 Metern mindestens ein Produkt neben sich, bei dem optische Technologien eine wichtige Rolle spielen. Man sieht nur häufig nicht auf Anhieb, wo optische Technologien überall zum Einsatz kommen.
Frage
Was wünschen Sie sich für Ihre Branche?
Rainer Küchler
Wir brauchen mehr Coca-Cola und konkrete Erlebnisse, dafür weniger Einstein und theoretische Physik. Optische Technologien müssen noch greifbarer und anfassbarer werden. Denn genau das sind sie im Alltag: praxisorientiert und nah am Menschen. Deshalb haben wir uns auch der Light Alliance angeschlossen. Sie bietet unseren Unternehmen eine wichtige Kommunikationsplattform.
Frage
Was macht die Arbeitsweise im Bereich optischer Technologien so besonders?
Rainer Küchler
Wir überwinden täglich Grenzen. Nicht nur theoretisch, sondern vor allem auch praktisch. Denn obwohl wir absolut gesehen mit relativ kleinen Märkten zu tun haben, erstrecken sie sich weltweit. Das bedeutet, wir müssen global denken und arbeiten. Bei Heraeus haben wir daher international vernetzte Fertigungsstätten, Entwickler an weltweiten Standorten und eigene Vertriebsteams, die weltweit arbeiten, zum Beispiel in Form von Meetings und internationalen Workshops.
Frage
Können Sie uns ein konkretes Projekt nennen, an dem Sie gerade arbeiten?
Rainer Küchler
Wir entwickeln zum Beispiel UV-Strahler für die Behandlung von Trinkwasser. Derzeit entsteht in den USA die weltweit größte UV-Entkeimungsanlage mit 10.000 unserer UV-Lampen. Ab 2010 entkeimt diese Anlage bis zu acht Millionen Kubikmeter Wasser täglich. Unsere Idee geht aber noch weiter. Wir können uns die dezentrale Trinkwasserentkeimung für den Hausgebrauch vorstellen, um zum Beispiel Menschen in Entwicklungsländern trinkbares Wasser zur Verfügung zu stellen. Dazu arbeiten wir an einer Technik, mit der sich UV-Lichtquellen, zum Beispiel UV-LEDs, direkt im Wasserhahn installieren lassen.
Frage
Warum lohnt es sich für Spezialisten anderer Branchen, in den Bereich der optischen Technologien zu wechseln?
Rainer Küchler
Es geht um Materialtechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Vakuumtechnik, Hochspannung und vieles mehr. Mit der Vielseitigkeit in Technologien und Anwendungen, den komplexen und immer wieder neuen Aufgaben sowie dem internationalen Umfeld sind die optischen Technologien attraktiv wie kaum eine andere Branche. Dank mittelständischer Struktur kann man zudem rasch Verantwortung übernehmen und Karriere machen.

Rainer Küchler
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